Zehn Spieler und ein leiser Hunger

Unser Bridgeclub hat genug Tische. Wirklich.
Sie stehen bereit, geduldig und aufgeräumt, als könnten sie jederzeit ein großes Turnier beherbergen. Wir haben auch genug grüne Tischdecken für viele, viele Paare.
Nur sind wir an unseren Spieleabenden eben oft nur acht oder zehn Leute.
Und dann reichen zwei Tische.
Wir spielen unsere 24 vorgemischten Spiele (also 24 Boards), ganz ordentlich, ganz korrekt. Die Karten wandern von Tisch zu Tisch, jeder spielt jedes Board genau einmal, und am Ende rechnet die Software sauber aus, wer gewonnen hat. Oft sind es die gleichen …
Eigentlich ist also alles in bester Ordnung.
Und doch passiert bei so kleinen Runden etwas Merkwürdiges:
Man trifft sich ständig wieder. Nicht dieselben Karten – aber dieselben Menschen. Man kennt die Reizgewohnheiten der Gegner fast schon auswendig. Man weiß, wer gleich „Hm“ sagt und wer nach dem Spiel kurz die Stirn runzelt oder dem Partner erläutert, was besser hätte laufen können.
Das ist vertraut.
Und gleichzeitig ein bisschen… zäh.
Manche Spieler schauen auf die Uhr. „Im Fernsehen wartet Inspektor Barnaby …“ – und bald beginnt das stille Rennen nach Hause. Ein paar weitere Boards und die Begeisterung der Runde schwindet, weil die Zeit fortgeschritten ist.
Unser Spiel läuft zuverlässig, konzentriert, routiniert. Wie ein altes Uhrwerk, das immer noch wunderbar funktioniert – nur ohne große Überraschungen.
Oder, um es bildhafter zu sagen:
Wir sind ein bisschen wie alte Vampire, die lange kein frisches Blut mehr gesehen haben.
Nicht falsch verstehen: Wir spielen gern zusammen.
Aber neue Spieler würden erstaunlich viel verändern.
Mit ein paar zusätzlichen Paaren passiert plötzlich Magisches:
Die Anschriften werden mehr.
Die Begegnungen vielfältiger.
Die Reizungen unberechenbarer.
Und die Runde gewinnt neue Energie – Barnaby kann warten, wir spielen mit Spaß und Konzentration.
Kurz gesagt: Unsere Tische sind da.
Die Karten auch.
Was uns fehlt, sind ein paar neue Gesichter, die sich zu uns setzen.
Und wenn Sie noch nie Bridge gespielt haben: Keine Sorge.
Wir erklären es gern. Zum Beispiel in einem Kurs an der Volkshochschule Glückstadt, der am 21. April 2026 beginnt und von unserem Clubmitglied Dr. Dirk Bisping geleitet wird.
Frisches Blut war bei Vampiren schließlich schon immer sehr willkommen.
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