Zehn Tage vor unserem 17. Matjesturnier sah eigentlich alles wunderbar geordnet aus. Die maximal 80 Plätze waren vergeben, sechs weitere Spielerinnen und Spieler standen auf der Warteliste.

Dann kam das wirkliche Leben.

Krankheitsbedingte Absagen, Nachrücker, neue Absagen – und unsere Gäste von Föhr bekamen keinen Platz mehr auf der Fähre. Am Vorabend des Turniers waren wir schließlich bei 74 Teilnehmenden angekommen.

Und am Samstagmorgen standen plötzlich zwei Menschen vor uns, die gar nicht angemeldet waren.

Normalerweise wäre das ein kleiner Schreckmoment gewesen. Diesmal lautete die Reaktion eher: Herzlich willkommen – Ihr kommt wie gerufen!

Mit dem zusätzlichen Paar ging die Teilnehmerzahl wieder genau auf und niemand musste zwischendurch aussetzen.

SpielerInnen aus befreundeten Clubs halfen beim Aufbau

Wo ist eigentlich unsere Spielerin?

Die Leitung des Turniers lag in den bewährten Händen von Richard Hömmen aus Kiel

Damit war die morgendliche Improvisation allerdings noch nicht beendet.

Eine angemeldete Spielerin fehlte. Ihre Partnerin versuchte sie über Handy und Festnetz zu erreichen – zunächst ohne Erfolg.

Während wir mittlerweile unruhig und besorgt wurden, kam Hilfe aus der Küche: Ingrid Veltrup, Chefin des Klevenhofs und selbst erfahrene Bridgespielerin, sprang kurzerhand ein.

Die Auflösung folgte später: Unsere vermisste Spielerin hatte das Turnier versehentlich für Sonntag in ihren Kalender eingetragen. Gegen Mittag erschien sie dann doch noch und konnte ihren Platz selbst übernehmen.

Eine offizielle Vermisstenmeldung mussten wir also nicht mehr aufgeben.

Und mittendrin in all dem: Richard Hömmen aus Kiel, der auch in diesem Jahr die Turnierleitung übernommen hatte und das morgendliche Durcheinander mit einer Ruhe managte, um die wir ihn zeitweise sehr beneidet haben.

Und dann wurde es plötzlich still

Sobald tatsächlich Bridge gespielt wurde, sank der Geräuschpegel im Saal merklich.

Am Vormittag stand zunächst die Qualifikation auf dem Programm. Konzentration an allen Tischen – jedenfalls so lange, bis ein Board beendet war.

Dann hörte man wieder Sätze wie:

„Warum hast du nicht Pik weitergespielt?“

Oder:

„Du weißt doch, was ich meine, wenn ich an dieser Stelle kontra sage!“

Bridge eben.

Insgesamt wurde zügig gespielt. Und auch sportlich konnte sich das Teilnehmerfeld sehen lassen. Unter den 76 Spielerinnen und Spielern waren etliche erfahrene und überregional erfolgreiche Turnierspieler, darunter der frühere Landesmeister Hans-Georg Keuchel, Mechthild und Andreas Gondorf sowie die Hamburger Bridgefamilie Farwig. Mit Ole Farwig saß sogar ein amtierender Deutscher Mannschaftsmeister der 1. Bundesliga am Tisch.

Jetzt aber Matjes

Das Matjesbüffet wird aufgebaut. Auch Fleischesser und Vegetarier kamen auf ihre Kosten

Mittags kam schließlich der Teil des Tages, der unserem Turnier seinen Namen gibt.

Der Matjes bekam reichlich Lob. Und wer keinen Fisch mochte, musste trotzdem nicht hungern: Roastbeef, Putenbrust und Bratlinge standen als Alternativen bereit. Auch die vegan zubereiteten Bratkartoffeln waren ausgesprochen lecker.

Nach der Mittagspause wurde das Feld geteilt: Die stärkeren Paare aus der Qualifikation spielten bei den Heringen, die übrigen bei den Bücklingen um die Plätze.

Damit war auch sprachlich endgültig klar: Wir befinden uns beim Matjesturnier.

Einer hatte nur eine Hand frei

Dass morgens 76 Menschen ihre Plätze finden, Namensschilder bekommen, bezahlen können und schließlich wirklich Bridge spielen, passiert nicht ganz von allein.

Unsere Sportwartin Susanne Rademann bringt im Team die meiste Erfahrung mit großen Turnieren mit. Sie kümmerte sich unter anderem um zusätzliches Equipment, bereitete die Namensschilder vor und verlas später bei der Siegerehrung gemeinsam mit Christiane Plate die Platzierungen.

Nicole Kock hatte sich um die Preise gekümmert.

Und dann war da noch Wilfried Grüner. Er spielt erst seit Anfang dieses Jahres bei uns im Club und sprang bei seinem ersten großen Matjesturnier gleich ins kalte Wasser.

Wo eine Hand fehlte, packte er mit an.

Wobei ihm tatsächlich nur eine zur Verfügung stand – die andere steckte im Gips.

Gemeinsam mit Inge Hauschildt saß er an der Kasse, half dabei, unser großes Willkommensbanner am Eingang des Klevenhofs anzubringen und schleppte unseren Kundenstopper dorthin, wo er gerade gebraucht wurde.

Den Kundenstopper hatte uns übrigens freundlicherweise die Stadtbücherei Glückstadt ausgeliehen. Schon an der Einfahrt zum Klevenhof war damit unübersehbar:

Hier seid ihr richtig.

Und dann kam die Eistorte

Aufbau des Tortenbüffets: Die Glückstädter Clubmitglieder hatten bis auf die letzte Minute gebacken und dekoriert. Rechts: Ein Dankeschön an Klevenhof-Chefin Ingrid Veltrup für die Bewirtung und ihren Einsatz am Bridgetisch

Am Nachmittag wartete die nächste schwierige Entscheidung.

Nicht beim Reizen. Am Kuchenbuffet.

Wieder hatten Mitglieder unseres Clubs gebacken, und es gab eigentlich viel zu viel zu probieren für eine einzige Kaffeepause.

Der heimliche Star war auch diesmal Inge Hauschildts Eistorte.

Wer sie schon kannte, wusste, worauf er wartete.

Wer sie noch nicht kannte, weiß es jetzt.

Und natürlich bot das Kuchenbuffet reichlich Gelegenheit, die eine oder andere Verteilung noch einmal gründlich zu diskutieren. Manche Boards sind schließlich erst abgeschlossen, wenn sie beim Kuchen ein zweites Mal gespielt worden sind.

Familie Farwig räumt ab

Keine große Überraschung: Bei den Heringen siegten Mathias und Ole Farwig. Susanne Rademann und Christiane Plate (hinten rechts, stehend) stellten die Bestplatzierten vor.

Dann wurde es noch einmal spannend.

Bei den Heringen blieb der Sieg in der Familie: Matthias und Ole Farwig belegten den ersten Platz, Mechthild und Andreas Gondorf wurden Zweite.

Bei den Bücklingen gewannen das Paar Patricia Auctun/Dagmar Winkler,
gefolgt vom Paar Gabriela Utke/Dr. Barbara Kupke.

Beste Spielerin aus unserem Glückstädter Club war Christiane Plate. Gemeinsam mit ihrem auswärtigen Partner Michael Stolze erreichte sie bei den Bücklingen einen erfreulichen sechsten Platz.

Und irgendwann waren dann tatsächlich alle Boards gespielt, alle Kuchenstücke gegessen, alle Preise verteilt – und unser 17. Matjesturnier war Geschichte.

Nie wieder. Also jedenfalls nicht sofort.

Was man einem solchen Tag hoffentlich nicht ansieht: Dahinter stecken Monate der Vorbereitung.

Anmeldungen, Warteliste, Zu- und Absagen, Nachrücker, Preise, Namensschilder, Tischplanung, Essen, Kuchen und ungefähr tausend Kleinigkeiten, an die irgendjemand denken muss.

Unmittelbar nach dem Turnier ist deshalb erst einmal Erholung angesagt.

Wir wissen allerdings aus Erfahrung, wie lange solche Vorsätze halten.

Am 11. September 2027 heißt es wieder:
Nehmen Sie Platz zum großen Matjesturnier!


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