Neulich beobachtete ich einen mir bekannten Pudel, der sehr gewissenhaft eine Laterne markierte.
Ein Dackel stand daneben und schaute aufmerksam zu. Da dachte ich: Eigentlich sind Hunde und
Bridge-Spieler gar nicht so verschieden. Beide hinterlassen Informationen.
Der Hund möchte seinen Artgenossen mitteilen: „Ich war hier.“
Der Bridge-Spieler möchte seinem Partner mitteilen: „Ich habe eine wichtige Info für dich.“

Der entscheidende Unterschied?

Unter Hunden klappt die Verständigung offenbar erstaunlich gut. Am Bridgetisch dagegen endet das Ganze gelegentlich mit den Worten: „Warum hast du denn das ausgespielt?“

Was bedeutet eigentlich „markieren“?

Beim Bridge dürfen die Partner nicht miteinander sprechen. Deshalb nutzen sie ihre Karten, um kleine Hinweise zu geben. Natürlich verraten sie nicht ihre ganze Hand – das wäre schließlich verboten. Aber innerhalb der Regeln dürfen sie Informationen übermitteln. Diese Informationen nennt man Markierungen oder Signale.

Für Einsteiger sind zunächst zwei Arten wichtig: Attitude und Lavinthal.

Attitude – „Mag ich“ oder „Mag ich nicht“

Wenn Bridge-Spieler umgangssprachlich von „markieren“ sprechen, meinen sie meistens genau das: eine Attitude-Markierung. Sie ist die häufigste und einfachste Form des Signalisierens.

Stellen wir uns vor, West spielt das ♣A aus. Jetzt sind Sie an der Reihe. Mit Ihrer gelegten Treffkarte können Sie Ihrem Partner eine kleine Rückmeldung geben:

  • Hohe Karte (z. B. die 9 statt der 2) bedeutet meist: „Ja, diese Farbe gefällt mir. Spiel sie gern weiter.“
  • Niedrige Karte (z. B. die 2 statt der 9) bedeutet dagegen: „Eher nicht. Wenn möglich, such dir später etwas anderes.“

Mehr steckt zunächst gar nicht dahinter. Es geht nicht darum, wie viele Karten Sie besitzen oder welche Sie genau haben. Sie sagen Ihrem Partner lediglich, ob Ihnen die Fortsetzung dieser Farbe nützen würde.

Natürlich kann Ihr Partner Ihren Wunsch nicht immer erfüllen. Vielleicht hat er gar keine andere sinnvolle Möglichkeit. Aber wenn er wählen kann, hilft ihm Ihre Markierung bei der Entscheidung.

Kleiner Hinweis: Das ist die klassische Zählweise. Manche Partnerschaften vereinbaren es genau umgekehrt (niedrig = ermutigend, hoch = abmunternd). Wichtig ist nicht, welche Variante „richtig“ ist, sondern dass beide Partner dieselbe Absprache kennen.

  1. Attitude-Signal
    Ziel: Zeige Interesse an der gespielten Farbe oder kein Interesse.
 Beispiel: Wenn dein Partner Karo spielt, und du hattest noch Karo, würdest du hoch = interessiert, niedrig = uninteressiert abwerfen.
Da du keine Karo mehr hast, ist Attitude hier nicht direkt möglich, weil du die Farbe nicht bedienen kannst.

  2. Lavinthal / Suit Preference
    Ziel: Zeige deinem Partner, welche Farbe er zurückspielen soll.
Du wirfst eine Karte einer anderen Farbe ab (freie Farbe).
Hohe Karte → Präferenz für höhere verbleibende Farbe
Niedrige Karte → Präferenz für niedrigere verbleibende Farbe

Lavinthal – „Spiel bitte die andere Farbe!“

Nun wird es etwas raffinierter.

Manchmal gewinnt Ihr Partner einen Stich und muss sich entscheiden, welche Farbe er nun spielen soll. Genau dann kann Lavinthal helfen – auch bekannt unter dem englischen Namen „Suit Preference Signal“, falls Sie später einmal englischsprachige Bridge-Literatur lesen.

Dabei geht es nicht um die Farbe, die gerade gespielt wurde. Stattdessen geben Sie einen Hinweis auf eine der beiden anderen Farben.

Dazu muss man eine Sache berücksichtigen: Die vier Farben haben eine feste Rangfolge – Treff, Karo, Coeur, Pik (von niedrig zu hoch). Diese Reihenfolge gilt immer, unabhängig davon, was Trumpf ist.

Die Regel ist einfach:

  • Hohe Karte = Bitte die höhere der beiden übrigen Farben.
  • Niedrige Karte = Bitte die niedrigere der beiden übrigen Farben.

Ein Beispiel:

Ihr Partner gewinnt einen Coeur-Stich. Nun kann er entweder Karo oder Treff zurückspielen. In der Rangfolge steht Karo über Treff.

Sie besitzen das Karo-Ass und hoffen auf einen Stich. Dann signalisieren Sie mit einer hohen Karte: „Bitte Karo!“

Hätten Sie stattdessen eine starke Trefffarbe, würden Sie mit einer niedrigen Karte um Treff bitten.

Die Kompassrose – eine einfachere Eselsbrücke

Viele erfahrene Spieler denken bei Lavinthal gar nicht in „höher/niedriger“, sondern stellen sich die vier Farben als Kreis vor – eine Art Kompassrose:

        Treff
          |
Pik ——————+—————— Karo
          |
        Coeur

Nach Pik kommt wieder Treff – der Kreis schließt sich. Die beiden Farben, die für Lavinthal infrage kommen, sind einfach die direkten Nachbarn der gerade gespielten Farbe im Kreis:

Gespielte FarbeÜbrige FarbenHohe Karte →Niedrige Karte →
PikCoeur, TreffCoeurTreff
CoeurPik, KaroPikKaro
KaroCoeur, TreffCoeurTreff
TreffPik, KaroPikKaro

Das lässt sich oft schneller abrufen als die Regel „höhere/niedrigere der übrigen Farben“. Ein Hinweis dazu: Die Trumpffarbe zählt bei dieser Betrachtung nicht mit – ist eine der beiden Nachbarfarben zugleich Trumpf, verschiebt sich die Fragestellung entsprechend.

Kurz zusammengefasst

SignalBeantwortet die Frage
AttitudeMag ich die gerade gespielte Farbe?
LavinthalWelche der beiden anderen Farben bitte?

Warum macht man sich diese Mühe?

Weil Bridge ein Partnerspiel ist. Je besser beide dieselbe Sprache sprechen, desto häufiger finden sie gemeinsam die richtige Fortsetzung. Manchmal gewinnt eine gute Markierung genau den einen Stich, der den Kontrakt zu Fall bringt.

Und manchmal … spielt der Partner trotzdem genau die falsche Farbe.

Dann geht es Bridge-Spielern wie dem Dackel an der Laterne: Man schaut den anderen an und fragt sich, ob die Botschaft vielleicht doch nicht ganz angekommen ist.

Zum Glück kann man Signale lernen. Und je häufiger man darauf achtet, desto verständlicher wird die gemeinsame Sprache am Bridgetisch – bis auch am Tisch irgendwann jeder sofort weiß: „Ich war hier.“

Die Hunde scheinen das übrigens schon lange perfektioniert zu haben.


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